Der Rechtsausschuss des Landtags NRW hört heute ab 13:30 Uhr Sachverständige zum Gesetzentwurf der Landesregierung für eine Reform der Arbeitsgerichtsbarkeit an. Hierzu erklärt Sonja Bongers, rechtspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

„Wir teilen das Ziel, die Arbeitsgerichtsbarkeit zukunftsfest aufzustellen – an der konkreten Umsetzung haben wir aber erhebliche Zweifel. Auch die Sachverständigen haben bereits in ihren schriftlichen Stellungnahmen bemängelt, dass die Kriterien für die Auswahl der Standorte kaum nachvollziehbar sind. Für viele Beschäftigte bedeutet die Halbierung der Arbeitsgerichte längere Wege und für die Betroffenen höhere Hürden beim Zugang zum Recht – gerade dort, wo es oft um existenzielle Fragen geht.

Wir erwarten, dass die Landesregierung diese Kritik ernst nimmt und beim Gesetzentwurf nachbessert. Eine zukunftsfähige Justiz braucht Präsenz vor Ort, keinen Rückzug aus der Fläche.“

Zum heute vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales veröffentlichten Sozialbericht NRW 2026 erklärt Lena Teschlade, sozial- und arbeitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

„Der Sozialbericht ist leider keine Erfolgsmeldung, sondern ein deutlicher Auftrag zum Handeln. Zwei Millionen Menschen NRW sind auf Mindestsicherungsleistungen angewiesen, etwa 239.000 Menschen sind trotz Arbeit auf staatliche Unterstützung angewiesen. Die hohe Zahl der Aufstockerinnen und Aufstocker zeigt deutlich, dass prekäre Beschäftigung, hohe Wohnkosten und fehlende soziale Aufstiegschancen weiterhin Realität sind.

Statt als Landesregierung Verantwortung zu übernehmen, verweist Minister Laumann bei der Armutsbekämpfung vor allem auf die Kommunen. Doch die Sozialausgaben der Kommunen seit 2018 um 38,2 Prozent auf 26,9 Milliarden Euro gestiegen. Wer den Städten und Gemeinden immer mehr Verantwortung überträgt, muss sie auch finanziell in die Lage versetzen, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Für uns bleibt klar: Soziale Gerechtigkeit entsteht nicht durch Verwaltungsmodernisierung oder wohlklingende Berichte. Sie entsteht durch politische Entscheidungen: Durch gute und tariflich bezahlte Arbeit, bezahlbaren Wohnraum, starke Kitas und Schulen, verlässliche soziale Infrastruktur und Kommunen, die handlungsfähig bleiben.

Der Sozialbericht zeigt, wo NRW steht. Jetzt muss die Landesregierung endlich zeigen, dass sie bereit ist, die Ursachen sozialer Ungleichheit entschlossen anzugehen. Bislang ist es Schwarz-Grün nicht gelungen, eine überzeugende sozialpolitische Antwort auf den Tisch zu legen. Minister Laumann beschreibt die soziale Schieflage mit dem Sozialbericht zwar – bekämpfen muss sie aber offenbar jemand anderes.“

Die Landesregierung hat heute den Haushaltsplanentwurf für 2027 beschlossen. Hierzu erklärt Christian Dahm, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag NRW: 

„Die schwarz-grüne Landesregierung will 2027 den gesetzlichen Rahmen für Kreditaufnahmen maximal ausreizen und plant die höchste Neuverschuldung des Landes Nordrhein-Westfalen seit 15 Jahren: Kredite über fünf Milliarden Euro sollen im Jahr der Landtagswahl ihren Rekordhaushalt in Höhe von 115,5 Milliarden Euro retten. Nur während der Coronapandemie war die Neuverschuldung höher. Dabei scheint diese Operation ohne politische Schwerpunkte und ohne ein Konzept zu erfolgen – wenn es denn jemals eins gab. Denn beispielsweise ist von einem dritten beitragsfreien Kindergartenjahr nicht mehr die Rede. Und auch die Erhöhung der Kommunalzuweisungen um rund 360 Millionen Euro ist im Verhältnis zu den fünf Milliarden Euro an neuen Schulden viel zu zaghaft. Immerhin hat die schwarz-grüne Koalition in ihrem letzten Haushaltsentwurf endlich eingestanden, dass die Kommunen auf strukturelle Verbesserungen bei den Zuweisungen des Landes dringend angewiesen sind. Aber hier bleibt die Regierung Wüst auf halber Strecke stehen. Der Verbundsatz muss in einem ersten Schritt mindestens um ein Prozent erhöht werden und nicht nur um 0,5 Prozentpunkte. In den kommenden Monaten werden wir in den Haushaltsberatungen alles in die Waagschale werfen und für höhere Zuweisungen an die Städte und Gemeinden streiten.“

Auf Antrag der SPD-Fraktion fand heute im Landtag NRW eine Sondersitzung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales statt. Hintergrund war die jüngste Hitzewelle mit Temperaturen von etwa 40 °C, in deren Folge es zu Todesfällen in einem Krankenhaus in Leverkusen kam. Auch vor diesem Hintergrund hat die SPD-Fraktion für die bevorstehenden Plenartage einen Eilantrag zur Einrichtung eines Hitzeschutzkabinetts eingebracht.

Hierzu erklären Lisa Kapteinat, stellvertretende Vorsitzende, und Thorsten Klute, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

Lisa Kapteinat:

„Hitze ist keine Wetterlage. Hitze ist eine Gefahr für Leib und Leben. Wenn durch Hitze Menschen sterben, dann dürfen wir das nicht als unvermeidbares Schicksal hinnehmen. Es ist ein Auftrag an die Politik, alles dafür zu tun, Menschen besser zu schützen. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie verletzlich NRW gegenüber extremer Hitze ist.

In der heutigen Sondersitzung wurde aber deutlich: Die Landesregierung befindet sich bei der Bekämpfung des Hitzeschutzes immer noch im Blindflug. Gesundheitsminister Laumann hat heute beispielsweise die Einsetzung eines Krisenstabes mit dem Verweis abgetan, dass keine Voraussetzungen für ein ressortübergreifendes Handeln vorlägen.

Die Landesregierung hat offenbar nicht verstanden, dass Hitze Gesundheit, Pflege, Schulen, Kitas, den Arbeitsschutz, die Kommunen und den Katastrophenschutz gleichermaßen betrifft. Wer Menschen schützen und Leben retten will, darf nicht erst reagieren, wenn die nächste Hitzewelle bereits da ist. Vorsorge beginnt heute. Wenn Gesundheitsschutz, Schulen, Kitas, Kommunen, Pflege und Katastrophenschutz gleichermaßen betroffen sind, dann braucht es eine koordinierte Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg. Damit schützen wir auch die Jüngsten unserer Gesellschaft in den Schulen und Kitas.“

 

Thorsten Klute:

„Extreme Hitze ist kein Ausnahmeereignis mehr, sondern eine dauerhafte Herausforderung für unser Gesundheitswesen und für unsere gesamte Gesellschaft. Gesundheitsminister Laumann konnte heute nicht erklären, wie die Gesamtstrategie der Landesregierung aussieht, um kommenden Hitzewellen entgegenzutreten. Die Kommunikationsprobleme zwischen dem Gesundheits- und dem Kommunalministerium beispielsweise beim Thema Fehlfahrten im Rettungsdienst haben aber gezeigt, wie wichtig klare Koordination ist. Besonders deutlich werden die bestehenden Ungerechtigkeiten beim Blick auf die Gesundheitsversorgung. Es darf nicht sein, dass privatversicherte Patientinnen und Patienten häufiger Zugang zu gekühlten Zimmern haben, während gesetzlich Versicherte die Hitze in Krankenhäusern kaum noch aushalten können. Hitzeschutz darf keine Frage des Versicherungsstatus sein.

Deshalb muss Ministerpräsident Wüst jetzt Verantwortung übernehmen und ein Hitzeschutzkabinett einberufen. Ziel muss es sein, Hilfen für besonders gefährdete Menschen mit einer langfristigen Strategie zu verbinden und die Arbeit aller betroffenen Ressorts wirksam zu koordinieren. Andere Bundesländer zeigen, wie das geht: In Rheinland-Pfalz hat sich das Landeskabinett erst vor wenigen Wochen ressortübergreifend mit dem Thema Hitze befasst. Bereits im vergangenen Jahr tagte das Sicherheitskabinett in Sachsen zu den Herausforderungen durch Hitze und Dürre. NRW darf bei einer der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit nicht länger hinterherlaufen. Hitzeschutz ist eine Daueraufgabe – und genau deshalb muss er dauerhaft auf höchster politischer Ebene koordiniert werden.“

Berechnungen des Robert-Koch-Instituts zufolge sind in diesem Jahr bereits 1.230 Menschen in Nordrhein-Westfalen infolge von Hitze gestorben. Zuletzt hatten zwölf Todesfälle in einem Krankenhaus in Leverkusen, die von der Bezirksregierung Köln krankenhausaufsichtlich geprüft werden, die Öffentlichkeit alarmiert. Auch die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt dazu. Aus diesem Grund hatte die SPD-Fraktion im Landtag NRW eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses beantragt, die am morgigen Montag, 13. Juli, um 10 Uhr auf der Tagesordnung steht.

Hierzu erklären Lisa Kapteinat, stellvertretende Vorsitzende, und Thorsten Klute, gesundheitspolitischer Sprecher, der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

Lisa Kapteinat:

„Die Landesregierung darf NRW nicht länger im Stich lassen und muss das Land endlich für Hitzewellen wappnen. Schließlich haben die Hitzetoten inzwischen sogar die Ermittlungsbehörden auf den Plan gerufen. Da ist es das Mindeste, dass sich Minister Laumann kürzlich erstmals mit Partnern aus dem Gesundheitswesen über die Herausforderungen des Hitzeschutzes beraten hat. Konsequent wäre es allerdings, wenn endlich auch der Ministerpräsident aktiv würde, um Nordrhein-Westfalen besser auf kommende Hitzewellen vorzubereiten.

Wir fordern Hendrik Wüst deshalb dazu auf, der Idee von Jochen Ott zu folgen und die Landesregierung kurzfristig zu einem Hitze-Kabinett einzuberufen. Dieses Hitze-Kabinett sollte umgehend ein landesweites und übergreifendes Hitzeschutzkonzept vor allem für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas verabschieden, die Kommunen systematisch bei der Erstellung und Umsetzung ihrer Hitzeaktionspläne unterstützen und einen verbindlichen Landeshitzeplan mit klaren Zuständigkeiten und regelmäßigen Übungen auf den Weg bringen. Dabei muss sie auch Selbsthilfefähigkeiten gezielt stärken und soziale Ungleichheiten in der Vorsorge abbauen. Besonders obdachlose Menschen sowie Beschäftigte, die im Freien arbeiten, brauchen gezielte Schutzkonzepte.

Ministerpräsident Wüst muss sich jetzt kümmern und Hitzeschutz zur Chefsache machen. Er darf die Herausforderung nicht länger in einzelnen Ministerien oder Zuständigkeiten versanden lassen.“

Thorsten Klute:

„Es ist schon schlimm genug, dass Schwarz-Grün in dieser Legislaturperiode bisher jede parlamentarische Initiative von uns für einen besseren Hitzeschutz abgelehnt hat. Aber dass sie angesichts von mehr als tausend Hitzetoten allein in diesem Jahr immer noch keine Aktionspläne für kommende Hitzewellen auf den Tisch gelegt hat, ist nicht nur ein Armutszeugnis, sondern auch Verweigerung von Verantwortung. Bis heute ist nicht einmal der Krisenstab der Landesregierung aktiviert worden, obwohl Hitzewellen, wie wir sie zuletzt erlebt haben, durchaus in die Kategorie der Naturkatastrophe einzuordnen sind. Und da müssen eben auch die Instrumente des Krisenmanagements genutzt werden.

Es reicht jedenfalls nicht, jetzt wieder nur nach Berlin zu zeigen, wenn man selbst verantwortlich dafür ist, dass Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas klimafest aufgestellt sind.“

Gestern stellte Familienministerin Verena Schäffer nach über einem Jahrzehnt endlich wieder einen Familienbericht für Nordrhein-Westfalen vor. Heute wurden die rund 250 Seiten dem zuständigen Landtagsausschuss präsentiert.

Im Anschluss erklärte Dr. Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

„Über Nacht konnte das Parlament natürlich nicht diesen umfassenden Familienbericht detailliert durcharbeiten. Wir müssen uns in den kommenden Wochen ausführlich mit ihm beschäftigen, da hier nicht nur viel Arbeit drinsteckt, sondern auch sehr viele wichtige Erkenntnisse nach Konsequenzen der Politik verlangen. Der Bericht zeigt, dass die Familien in Nordrhein-Westfalen in einem massiven Spannungsfeld stehen, und er macht den Handlungsbedarf deutlich. Insofern darf es nicht sein, dass nun hinter dem TOP ein Haken gemacht werden soll und man einfach zur üblichen Tagesordnung zurückkehren will. Alle politischen Akteure müssen den Bericht ernst nehmen, Konsequenzen ziehen und auch geplante Veränderungen nochmals überprüfen. Denn eine logische Konsequenz ist die Novelle des Kinderbildungsgesetzes, so wie CDU und Grüne sie jetzt durch den Landtag peitschen wollen, jedenfalls nicht. Auch die Schönheitskorrekturen der Regierungsfraktionen heilen die grundsätzlichen Fehler nicht. Die Kitas brauchen eine endlich eine Grundfinanzierung.

Gerade die Verlässlichkeit in Bildung und Betreuung wird in dem Bericht angemahnt: „Nach Daten des MKJFGFI NRW (2025) war allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2025 fast jede dritte Kita in NRW von Personalunterdeckungen betroffen und musste ggf. Angebote ganz oder teilweise reduzieren.“ Das ist ein großer wunder Punkt der schwarz-grünen Regierungszeit. Die neuesten Zahlen zeigen wieder, dass die Koalition das Problem nicht in den Griff bekommt und die personalbedingten Einschränkungen in den Kitas steigen und steigen. Im Vergleich der ersten sechs Monate der Jahre 2025 und 2026 erkennt man einen klaren Anstieg bei den Einschränkungen: im Bereich des LVR waren es im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres 12043 Meldungen, in diesem Jahr 12899. Damit gilt für dieses Gebiet eine prozentuale Veränderung zum Vorjahr um plus 7,11 Prozent. Für den LWL waren es 5985 Meldungen im Zeitraum Januar bis Juni 2025, nun 6324 – ein Anstieg um 5,66 Prozent.

Die Eltern von Kita-Kindern verzweifeln immer mehr an dieser Entwicklung, weil der Alltag einfach nicht mehr funktioniert. Die Zahlen, Daten und Fakten liegen mit dem Bericht auf dem Tisch. Ihn nun einfach ins Regal zu stellen wäre der falsche Weg.“

Zur heutigen Landtagsanhörung zur Novellierung des Brandschutz-, Hilfeleistungs- und Katastrophenschutzgesetzes (BHKG) erklärt Christina Kampmann, innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

„Insbesondere die Flutkatastrophe des Jahres 2021 hat auf dramatische Weise gezeigt, dass sich die Herausforderungen für den Katastrophenschutz verändert haben. Deshalb ist die Modernisierung des BHKG notwendig und richtig. Die heutige Anhörung hat deutlich gemacht, dass der Gesetzentwurf wichtige Regelungen enthält, um Nordrhein-Westfalen besser auf Krisen, Extremwetterereignisse und andere Großschadenslagen vorzubereiten.

Gleichzeitig haben die Sachverständigen aber auch deutlich gemacht, dass es an einigen Stellen noch Verbesserungsbedarf gibt. So wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass eine moderne Katastrophenschutzplanung auf belastbaren Risikoanalysen beruhen muss. Diese sollen künftig eine noch stärkere Rolle spielen, damit Bedarfe nachvollziehbar ermittelt und Maßnahmen zielgerichtet geplant werden können.

Ebenso ernst nehmen wir die Hinweise der kommunalen Spitzenverbände und Feuerwehrverbände zur Finanzierung. Neue Aufgaben und zusätzliche Anforderungen dürfen nicht dazu führen, dass Städte, Gemeinden und Kreise mit den finanziellen Folgen allein gelassen werden. Wer höhere Anforderungen an die kommunale Gefahrenabwehr stellt, muss auch sicherstellen, dass diese dauerhaft und verlässlich finanziert werden können.

Die SPD-Fraktion wird die Hinweise und Anregungen aus der Anhörung nun sorgfältig auswerten und sich im weiteren parlamentarischen Verfahren dafür einsetzen, dass bestehende Schwachstellen des Gesetzentwurfs behoben werden. Unser Ziel bleibt ein modernes, leistungsfähiges und vor allem praxistaugliches Brand- und Katastrophenschutzgesetz für Nordrhein-Westfalen.“

Der gemeinsame Appell von Trägern der frühen Bildung, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Elternvertretungen, Gewerkschaften und Kinderschutzorganisationen gegen die geplanten ABC-Klassen bleibt folgenlos. Das hat die schwarz-grüne Koalition heute im Ausschuss für Schule und Bildung deutlich gemacht.

Hierzu erklären Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW, und Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin:

Dr. Dennis Maelzer:

„Der Appell der Fachwelt war in seiner Breite außergewöhnlich: Kita-Träger, Wissenschaft, Elternvertretungen, Gewerkschaften und Kinderschutz kommen unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis: Die ABC-Klassen lösen die bestehenden Probleme bei der Sprachförderung nicht. Dass die Landesregierung diese Stimmen, wie heute auch im Schulausschuss geschehen, schlicht übergeht, ist ein Armutszeugnis. Noch irritierender ist das Verfahren, was nun heute im Schulausschuss zu Tage kam. Während der Ausschuss abschließend über das Gesetz berät, wird auf einen Entschließungsantrag verwiesen, der noch gar nicht vorliegt. Das ist kein ernsthafter Umgang mit parlamentarischer Beratung und schon gar keine Antwort auf die fundierte Kritik der Fachwelt. Ganz nebenbei: Frau Ministerin Feller hat auch auf mehrmalige Nachfrage, wie sie zum Chancenjahr steht, nicht reagiert. Augen zu und durch – das ist wohl auch eine Antwort.“

Dilek Engin:

„Der angekündigte Entschließungsantrag ändert nichts am Gesetzentwurf und nichts am Kern des Problems. Schwarz-Grün bleibt auf dem bildungspolitischen Irrweg. Weder wird die wissenschaftlich kritisierte Parallelstruktur infrage gestellt, noch werden die zentralen Einwände aus den Anhörungen aufgegriffen. Parlamentarische Anhörungen sollen Gesetze verbessern. Wenn aber selbst ein gemeinsamer Appell der maßgeblichen Akteure aus Wissenschaft und Praxis folgenlos bleibt, stellt sich die Frage, welchen Stellenwert fachliche Expertise für diese Landesregierung überhaupt noch hat. Wer Beteiligung ernst meint, muss bereit sein, Konsequenzen daraus zu ziehen – genau dazu fehlt Schwarz-Grün der politische Wille.“

Selbstständige Mütter sind aktuell vom gesetzlichen Mutterschutz ausgeschlossen. Das führt dazu, dass 27.000 selbstständige Frauen pro Jahr um ihre Existenz bangen, wenn sie schwanger werden. Gestern wurden die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie des Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) in Kooperation mit dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn zu der Frage veröffentlicht, wie Mutterschutz für selbstständige Frauen künftig gestaltet werden kann. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur äußerte sich dazu mit Forderungen an den Bund und verkündete, NRW werde vorlegen. Hierzu erklären Lisa Kapteinat, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag NRW, und Anja Butschkau, frauenpolitische Sprecherin:

Lisa Kapteinat:

„Ministerin Neubaur tut so, als würde Nordrhein-Westfalen selbst große Schritte im Hinblick auf den Mutterschutz für selbstständige Frauen gehen. Dabei kann sie keine eigenen Maßnahmen vorweisen, sondern verweist bloß auf „zeitnahe weitere Initiativen“. Wir erwarten von der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerin, dass sie vor allem ihren eigenen Handlungsspielraum nutzt und selbst konkrete Umsetzungsschritte für Nordrhein-Westfalen vorlegt.“

Anja Butschkau:

„Auch Gleichstellungsministerin Verena Schäffer blieb in der vergangenen Woche dem Ausschuss für Gleichstellung und Frauen auf unsere Nachfrage die Antwort schuldig, welche konkreten Maßnahmen die Landesregierung, über die Förderung der Studie hinaus, ergreifen will. Wie ihre Kabinettskollegin Mona Neubaur verwies sie lediglich auf den Bund. Das reicht jedoch nicht aus, um selbstständige Mütter vor Existenzängsten zu schützen und ihnen eine sorgenfreie Mutterschutzzeit zu ermöglichen. Mit der nun vorliegenden Machbarkeitsstudie verfügt die Landesregierung über eine fundierte Grundlage, um selbst aktiv zu werden. Jetzt muss sie diese Chance auch nutzen.“

Oberbürgermeister, Bürgermeister und Kämmerer sind heute in einer Kolonne kommunaler Fahrzeuge von der Düsseldorfer Staatskanzlei aus in Richtung Berlin gestartet. Das Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“ will damit auf die dramatische finanzielle Lage der Städte und Gemeinden aufmerksam machen. Zugleich hat das Statistische Landesamt aktuelle Zahlen zum Stand der Verschuldung nordrhein-westfälischer Kommunen veröffentlicht. Sie stieg 2025 in den Kernhaushalten um 15,7 Prozent auf 64,1 Milliarden Euro. Das ist der höchste Anstieg seit 2017. Hierzu erklärt Jochen Ott, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

„Die Kommunen in NRW befinden sich in größter Not. Ihr heute gestarteter Protestzug ist nicht weniger als ein Blaulicht-Alarm. Feuerwehrwagen, Müllfahrzeuge und Busse stehen für all das, was unser Land jeden Tag am Laufen hält. Wenn die Städte und Gemeinden diese Leistungen nicht mehr verlässlich finanzieren können, geraten Lebensqualität, gesellschaftlicher Zusammenhalt und das Vertrauen in unseren Staat ins Wanken.

Der Anstieg der kommunalen Verschuldung um fast neun Milliarden Euro innerhalb nur eines Jahres ist ein unüberhörbares Alarmsignal. Die Landesregierung kann nicht länger so tun, als liege die Verantwortung für diese Entwicklung allein in Berlin. Bund und Länder haben sich jüngst auf das Prinzip der Konnexität und damit auf den Grundsatz verständigt: Wer bestellt, bezahlt. Neue bundesgesetzliche Leistungen sollen künftig nicht mehr auf Kosten der Länder und Kommunen beschlossen werden. Das ist ein wichtiger Paradigmenwechsel.

Damit kann Hendrik Wüst nicht länger mit dem Finger nach Berlin zeigen. Wer vom Bund zu Recht verlangt, die Kosten seiner Entscheidungen zu tragen, muss denselben Maßstab auch an die eigene Landesregierung anlegen. Der Grundsatz ‚Wer bestellt, bezahlt‘ muss jetzt ebenso im Verhältnis zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und seinen Kommunen gelten.

Hendrik Wüst muss deshalb endlich in Nordrhein-Westfalen liefern: mit einer höheren und verlässlichen Finanzausstattung über das Gemeindefinanzierungsgesetz, einer substanziellen Beteiligung des Landes an den dynamisch steigenden Sozialkosten – insbesondere der Eingliederungshilfe – und der Weiterleitung von mindestens 80 Prozent der Bundesmittel aus dem Infrastruktursondervermögen an die Kommunen. Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie die Konnexität auch in ihrem Zuständigkeitsbereich endlich ernst nimmt. Auch beim Offenen Ganztag drückt sie sich nach wie vor vor ihrer Verantwortung.

Die kommunale Finanzkrise lässt sich nicht durch eine einmalige Altschuldenhilfe lösen, während gleichzeitig immer neue Defizite entstehen. Starke Kommunen sind kein Luxus. Sie sind das Fundament unseres Landes, das zunehmend unter Druck gerät. Es ist höchste Alarmstufe.“

Anlässlich des heutigen gemeinsamen Appells zahlreicher Träger der frühen Bildung, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Elternvertretungen, Gewerkschaften und Kinderschutzorganisationen gegen die geplanten ABC-Klassen erklären Dr. Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW, und Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin::

Dr. Dennis Maelzer:

„Wenn sich Träger, Wissenschaft, Gewerkschaften, Elternvertretungen und Kinderschutzorganisationen in dieser Breite gegen ein Gesetz stellen, sollte jede Landesregierung innehalten. Dieser Appell ist eine deutliche Ohrfeige für Schwarz-Grün.

Gute Sprachförderung beginnt nicht wenige Monate vor der Einschulung, sondern vom ersten Tag an in der Kita. Genau dort brauchen die Fachkräfte bessere Rahmenbedingungen und mehr Unterstützung. Unser Vorschlag für ein Kita-Chancenjahr für alle Kinder mit Förderbedarf beinhaltet genau das. Stattdessen baut die Landesregierung ein teures Parallelsystem auf, dessen Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist.

Die Landesregierung bekämpft Symptome statt Ursachen. Wer es mit besseren Bildungschancen ernst meint, muss die frühkindliche Bildung stärken und die anstehende Reform des Kinderbildungsgesetzes nutzen, um Sprachförderung dauerhaft und verbindlich auszubauen – und nicht Bildungsaufgaben aus den Kitas herauslösen.“

Dilek Engin:

„Die heutige Initiative bestätigt eindrucksvoll unsere Kritik an den ABC-Klassen. Noch nie hat es zu einem schulpolitischen Vorhaben eine derart breite und einhellige fachliche Kritik gegeben. Dass die Landesregierung diese Stimmen offenbar trotzdem ignorieren will, ist ein fatales Signal.

Parlamentarische Anhörungen sind kein Pflichtprogramm, sondern sollen Gesetze besser machen. Wenn nahezu alle Sachverständigen erhebliche Zweifel an einem Gesetzentwurf äußern und sich diese Kritik im weiteren Verfahren praktisch nicht wiederfindet, stellt das den Sinn eines solchen Beteiligungsverfahrens grundsätzlich infrage.

Nordrhein-Westfalen braucht eine bessere Sprachförderung. Aber sie muss dort stattfinden, wo sie nachweislich am wirksamsten ist: in starken Kitas mit ausreichend Personal, guter Qualität und einem gelingenden Übergang in die Grundschule. Die ABC-Klassen schaffen zusätzliche Bürokratie und neue Schnittstellen – sie lösen nicht im Geringsten das eigentliche Problem.

Wir fordern die schwarz-grüne Koalition deshalb auf, dieses Gesetz nicht in seiner jetzigen Form zu verabschieden und gemeinsam mit der Fachpraxis eine tragfähige Lösung für bessere Sprachförderung zu entwickeln. Die Blaupause dafür hat die Enquetekommission mit dem Chancenjahr bereits vorgelegt.“

Zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage „Wie haben sich Straftaten gegen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker entwickelt?“ erklären Sonja Bongers, rechtspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW, und Justus Moor, kommunalpolitischer Sprecher:

Justus Moor:

„Die Zahlen sind ein Alarmsignal für unsere Demokratie. 122 Straftaten gegen kommunalpolitisch engagierte Menschen und ein Anstieg der Angriffe auf Parteibüros um 42 Prozent zeigen: Wer sich vor Ort für unser Gemeinwesen einsetzt, wird immer häufiger beleidigt, bedroht oder sogar körperlich angegriffen. Kommunalpolitisch Engagierte, Parteibüros und demokratische Treffpunkte dürfen keine Zielscheibe für Hass und Gewalt sein. Wer das Rathaus, ein Parteibüro oder ein Ratsmitglied angreift, greift unsere Demokratie an ihrer Basis an.

Bei aller Intensität von politischen Debatten, Kritik und einer gelebten Streitkultur dürfen wir eines nicht vergessen: Kommunalpolitik ist ein Ehrenamt. Wichtig und unverzichtbar. Wenn Frauen und Männer für ihren Einsatz für unsere Gemeinschaft angefeindet werden, leidet genau dieses Ehrenamt. Hier braucht es mehr Wertschätzung, insbesondere auch von Seiten der Landes- und Bundespolitik und ebenso in den Medien.

Die Landesregierung muss den Schutz und die Unterstützung kommunalpolitisch Engagierter endlich zur dauerhaften Aufgabe machen. Dazu gehören konsequente Strafverfolgung, verlässliche Beratungs- und Hilfsangebote sowie funktionierende Schutzkonzepte vor Ort.“

Sonja Bongers:

„Diese aktuellen Zahlen belegen erneut die Verrohung der Sprache und des Umgangs und zeigen, dass die kürzlich vorgeschlagene Abschaffung des § 188 StGB, Beleidigungen von Politikerinnen und Politikern, der völlig falsche Weg ist. Der Schutz von Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern als Fundament demokratischer Entscheidungen vor diesen Handlungen darf nicht geschmälert werden.“