Anlässlich des heutigen gemeinsamen Appells zahlreicher Träger der frühen Bildung, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Elternvertretungen, Gewerkschaften und Kinderschutzorganisationen gegen die geplanten ABC-Klassen erklären Dr. Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW, und Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin::

Dr. Dennis Maelzer:

„Wenn sich Träger, Wissenschaft, Gewerkschaften, Elternvertretungen und Kinderschutzorganisationen in dieser Breite gegen ein Gesetz stellen, sollte jede Landesregierung innehalten. Dieser Appell ist eine deutliche Ohrfeige für Schwarz-Grün.

Gute Sprachförderung beginnt nicht wenige Monate vor der Einschulung, sondern vom ersten Tag an in der Kita. Genau dort brauchen die Fachkräfte bessere Rahmenbedingungen und mehr Unterstützung. Unser Vorschlag für ein Kita-Chancenjahr für alle Kinder mit Förderbedarf beinhaltet genau das. Stattdessen baut die Landesregierung ein teures Parallelsystem auf, dessen Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist.

Die Landesregierung bekämpft Symptome statt Ursachen. Wer es mit besseren Bildungschancen ernst meint, muss die frühkindliche Bildung stärken und die anstehende Reform des Kinderbildungsgesetzes nutzen, um Sprachförderung dauerhaft und verbindlich auszubauen – und nicht Bildungsaufgaben aus den Kitas herauslösen.“

Dilek Engin:

„Die heutige Initiative bestätigt eindrucksvoll unsere Kritik an den ABC-Klassen. Noch nie hat es zu einem schulpolitischen Vorhaben eine derart breite und einhellige fachliche Kritik gegeben. Dass die Landesregierung diese Stimmen offenbar trotzdem ignorieren will, ist ein fatales Signal.

Parlamentarische Anhörungen sind kein Pflichtprogramm, sondern sollen Gesetze besser machen. Wenn nahezu alle Sachverständigen erhebliche Zweifel an einem Gesetzentwurf äußern und sich diese Kritik im weiteren Verfahren praktisch nicht wiederfindet, stellt das den Sinn eines solchen Beteiligungsverfahrens grundsätzlich infrage.

Nordrhein-Westfalen braucht eine bessere Sprachförderung. Aber sie muss dort stattfinden, wo sie nachweislich am wirksamsten ist: in starken Kitas mit ausreichend Personal, guter Qualität und einem gelingenden Übergang in die Grundschule. Die ABC-Klassen schaffen zusätzliche Bürokratie und neue Schnittstellen – sie lösen nicht im Geringsten das eigentliche Problem.

Wir fordern die schwarz-grüne Koalition deshalb auf, dieses Gesetz nicht in seiner jetzigen Form zu verabschieden und gemeinsam mit der Fachpraxis eine tragfähige Lösung für bessere Sprachförderung zu entwickeln. Die Blaupause dafür hat die Enquetekommission mit dem Chancenjahr bereits vorgelegt.“