Am morgigen Mittwoch, 20. Mai 2026, findet ab 10:00 Uhr im Landtag die Anhörung zum schwarz-grünen Gesetzentwurf zur Einführung schulischer Vorkurse zur Förderung der Sprachkompetenz („ABC-Klassen“) statt. Hierzu erklären Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW, und Dr. Dennis Maelzer, Sprecher für Familie, Kinder und Jugend:

Dr. Dennis Maelzer:

„Die Idee der ABC-Klassen ist krachend durchgefallen. Expertinnen und Experten aus der Praxis, der Wissenschaft und auch der Eltern sind sich bereits in den schriftlichen Stellungnahmen zur morgigen Anhörung einig: ABC-Klassen sind keine Lösung für die Bedarfe der Kinder und die späteren Probleme in der Schule. Sie setzen viel zu spät ein und werten die Kita als Bildungseinrichtung ab. Dabei ignoriert man die professionellen Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte in der Kita. Vor allem lässt man die wesentlichen Bedingungen für einen erfolgreichen Spracherwerb außer Acht: stabile Beziehungen, vertraute Bezugspersonen, verlässlicher Alltagsstrukturen und ein für die Kinder als sicher empfundenes Umfeld. Genau das bietet die Kita.

Zwei Mal zwei Stunden Sprachkurs, zu dem die Kinder aus der Kita für teures Geld gefahren werden müssen, können das nicht ersetzen. Die Mittel müssen zur Stärkung der alltagsintegrierten Sprachförderung und einem früheren Zugang zu frühkindlicher Bildung eingesetzt werden. Kinder, die eine vertiefte Förderung benötigen, sollen diese in der Kita mit multiprofessionellen Teams erhalten. Die Kita ist – wissenschaftlich belegt – der entsprechende Bildungsort für Kinder. Dort ist mit Sprachförderkräften auch das passende Personal.

Vor allem ist es uns wichtig, einen ganzheitlichen Blick auf das Kind zu haben und neben Sprache auch die emotionale, motorische und soziale Entwicklung der Kinder zu betrachten. Nur so können Kinder gut in den kommenden Lebensabschnitt starten: Ein Chancenjahr, damit alle Kinder gut in die Schule starten können. Das ist unsere Antwort im Sinne der Kinder in NRW.“

Dilek Engin:

„Die schwarz-grünen ABC-Klassen sind ganz klar der falsche Weg. So werden unsere Kinder eben nicht bestmöglich gefördert. Die Rückmeldungen der Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Gewerkschaften, Stiftungen zur morgigen Anhörung im Schulausschuss zeichnen ein einhelliges Meinungsbild: Frühe Selektion und der Fokus auf Defizitorientierung entsprechen in keiner Weise den Erkenntnissen der frühkindlichen Pädagogik. Hinzu kommen Transportkosten in dreistelligen Millionen Bereich, Unklarheiten zur Regelung der Orte sowie fehlende Wertschätzung von mehrsprachig aufwachsenden Kindern.

Wir sehen dringenden Handlungsbedarf in der frühkindlichen Förderung und fordern, dass sie dort stattfindet, wo die Kinder sich am wohlsten fühlen – in ihrer gewohnten Umgebung und damit in der Kita. Die für die ABC-Klassen eingeplanten Mittel wollen wir daher für ein Chancenjahr in der Kita einsetzen.“