Die geplanten sogenannten ABC-Klassen zur Sprachförderung sorgen derzeit auch im Kreis Minden-Lübbecke für intensive Diskussionen unter Eltern und Fachkräften. Nach den Plänen der Landesregierung sollen Kinder mit zusätzlichem Sprachförderbedarf kurz vor der Einschulung regelmäßig aus ihrer Kita herausgelöst und für Sprachkurse an Grundschulen gefahren werden. Kritiker warnen vor einer künstlichen Trennung: Anstatt die Sprachbildung direkt im vertrauten Kita-Alltag zu stärken, werden die Kinder für lediglich zwei Stunden Unterricht zweimal pro Woche aus ihrem sozialen Gefüge gerissen und unnötig stigmatisiert.
Auch auf regionaler Ebene ist das Thema inzwischen angekommen. Bei einer Klausurtagung der SPD Ostwestfalen-Lippe stand die Bildungspolitik im Mittelpunkt der Beratungen. Daran beteiligte sich auch Karin Detert aus dem Kreis Minden-Lübbecke, stellvertretende Regionalvorsitzende der SPD OWL, die die Rückmeldungen aus Kitas und Familien aus der Region in die Diskussion einbrachte. Ebenfalls an den Gesprächen beteiligt waren der familienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion NRW Dennis Maelzer sowie der SPD-Kreisvorsitzende Micha Heitkamp. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion und Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Jochen Ott, war der Klausurtagung digital zugeschaltet.
„Viele Eltern fragen sich zu Recht, ob es pädagogisch sinnvoll ist, Kinder aus ihrer vertrauten Kita-Gruppe herauszulösen und sie mit Bussen oder Taxen in andere Einrichtungen zu transportieren“, sagt Detert. „Gerade in diesem Alter brauchen Kinder stabile Bezugspersonen, verlässliche Beziehungen und eine vertraute Umgebung. Sprachförderung gelingt am besten dort, wo Kinder ihren Alltag verbringen – in der Kita.“
Wie groß der Gesprächsbedarf vor Ort ist, zeigte sich bereits bei einer Informationsveranstaltung des SPD-Ortsvereins Preußisch Oldendorf. Mehr als 70 Teilnehmende diskutierten dort gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Dennis Maelzer über mögliche Auswirkungen der geplanten Regelung auf Kitas, Kinder und Familien. Maelzer machte deutlich, dass die SPD im Landtag die Pläne der Landesregierung kritisch sieht: Statt Kinder in zusätzliche Kurse zu schicken, müsse Sprachbildung früh, alltagsintegriert und mit ausreichend Personal in den Kitas stattfinden.
Auch im Kreis Minden-Lübbecke wird das Konzept kritisch bewertet. „Die Landesregierung plant ein Modell, das teuer ist, die Kinder aus ihrem Alltag reißt und die Probleme in den Kitas nicht löst“, kritisiert Micha Heitkamp, SPD-Kreisvorsitzender im Minden-Lübbecker Land. „Während in Nordrhein-Westfalen tausende Lehrerstellen unbesetzt sind, will das Land über 100 Millionen Euro für Fahrten zu diesen Fördergruppen ausgeben. Dieses Geld wäre in zusätzlichen Fachkräften, kleinere Gruppen und gute Sprachförderung direkt in den Kitas deutlich besser investiert.“
Die SPD im Kreis Minden-Lübbecke will die Diskussion deshalb weiter eng begleiten. Geplant sind weitere Gespräche mit Fachkräften, Eltern und Trägern sowie eine gemeinsame Veranstaltung der SPD-Fraktion im Kreis, um die Perspektiven aus der Praxis aufzunehmen. In einer Region, in der mancherorts kaum noch ein Bus fährt, wirkt das Vorhaben, Kleinkinder für gerade einmal zwei Stunden Unterricht kreuz und quer über die Dörfer zu kutschieren, wie ein logistisches Luftschloss ohne jede Bodenhaftung. Diesem organisatorischen Irrweg stellt die SPD Minden-Lübbecke eine klare Haltung gegenüber.
Unser Anspruch ist klar“, betont Detert: „Sprachförderung darf nicht auf dem Rücken der Kinder organisiert werden, sondern muss dort stattfinden, wo sie ihnen am meisten nützt – in gut ausgestatteten Kitas vor Ort. Dafür werden wir im Mühlenkreis weiter laut bleiben.“






